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Fr, 02.06.2017, 20:00 Uhr

BEKENNTNISSE - ENSEMBLE HORIZONTE blurred edges

Die Stücke dieses Programms erschöpfen sich nicht im rein Musikalischen, sondern wollen mehr, wollen mittels musikalischer Ausdrucksformen Positionen formulieren, zu denen sich der Komponist rückhaltlos bekennt. Dabei kann es sowohl um religiöse Standpunkte gehen - angesichts des 500-jährigen Jubiläums der Reformation sicher ein naheliegendes Thema - als auch um politische oder wissenschaftliche Thesen. George Crumb Black Angels (1970) (*1929) Thirteen images from the dark land für elektrisches Streichquartett Mit schrill-nervösen Geigentönen hebt die Musik an und versetzt den Hörer gleich in eine alptraumhaft-surreale Stimmung, als befinde er sich mitten in einem der drastischen Bilder des Hieronymus Bosch. Auf das wilde Tremolieren der „elektrischen Insekten“ folgt eine Abenteuerreise durch teils schroffe, teils verträumte Klanglandschaften, in der alles fremd zu sein scheint und doch manches Vertraute begegnet. Black Angels von George Crumb ist sicher ein Schlüsselwerk der Gattung Streichquartett, ein Knotenpunkt, in dem sich vielfältig Vergangenes spiegelt und von dem Bahnen in die Zukunft ausstrahlen. Der Komponist verbindet Elemente musikalischer Tradition von der mittelalterlichen Dies Irae-Sequenz bis zu Schuberts Der Tod und das Mädchen mit geheimnisumwitterter Zahlenmystik und einer alle Register moderner Technik ziehenden Instrumentation. Geschrieben „in tempore belli“ (in Zeiten des Krieges) unterzeichnet der Komponist das Werk aus dem Jahr 1970, anspielend auf die Greuel des Vietnamkrieges, der die Arbeit zwar nicht auslöste aber doch begleitete und die Vorstellung des Amerikaners Crumb von Gut und Böse ins Wanken brachte. Nicht der plumpe Gegensatz von Himmel und Hölle, ausgedrückt durch die symbolischen Zahlen 7 und 13, die die musikalische Tektonik konsequent durchziehen, sondern das immer drohende Abgleiten aus der Sphäre dessen, der das Gute will, in die böse Tat - das Motiv des Gefallenen Engels – steht im Zentrum der künstlerischen Aussage. Immerhin, ein Hoffnungsschimmer bleibt uns erhalten, und am Ende kehrt das Göttliche zurück und taucht selbst die „Nacht der elektrischen Insekten“ in ein milderes Licht. Formal hören wir ein dreisätziges Werk, dessen Satzbezeichnungen Departure - Absence - Return sich an Beethovens Les Adieux-Sonate op.81 a orientiert. Untergliedert werden die Sätze in 13 Bilder, die teilweise fließend ineinander übergehen. Malika Kishino Lamento (2011/14) (*1971) für Violine und Viola Das Duo schrieb Malika Kishino zum Gedenken an die Opfer des großen Erdbebens und Tsunamis von 2011, in der Fassung für Violine und Viola uraufgeführt von Mareike Neumann und Maria Pache. - Die Symbiose von Mensch und Natur stellt sich in Japan als eine Herausforderung ganz eigener Art dar. Sie bewegt sich im Spannungsfeld einer überaus malerischen Landschaft und zugleich der Präsenz extremer Naturgewalten. Letztere finden im Pizzikato, im erdrückten Bogenstrich und im col legno-Spiel musikalischen Niederschlag, kontrastiert mit einem einfachen Volkslied aus Fukushima "Sohma Nagareyama", das in seinen zarten Sepia-Farben gewissermaßen die „Landschaft des Herzens“ nachzeichnet. Olivier Messiaen L'Abîme des oiseaux (1940/41) (1908 - 1992) für Klarinette solo Dieser Solo-Satz für Klarinette ist der bedeutendsten Kammermusik-Komposition Messiaens, dem »Quatuor pour la fin du temps« entnommen. Geschrieben und uraufgeführt wurde diese Musik in deutscher Kriegsgefangenschaft im kalten Winter 1940/41 im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A bei Görlitz. Entsprechend atmet sie eine Endzeitstimmung voll Trauer, Trostlosigkeit und Verzweiflung. L'Abîme - der Abgrund - ist ein Motiv, das uns in der Musik Messiaens immer wieder begegnet. Kontrastiert wird es mit dem Gesang der Vögel (oiseaux). Sie symbolisieren, wie der Komponist sagt, "unser Verlangen nach Licht, Sternen, Regenbögen und jubilierenden Kantilenen". Jörg-Peter Mittmann Lamento (2008) (* 1962) Musik mit Monteverdi für sieben Spieler Wie in einer surrealen Traumsequenz durchstreift der Hörer hier geheimnisvolle Klangräume, um schließlich ganz unvermittelt auf einen verborgenen Schatz zu stoßen: in kristallener Reinheit lassen die Instrumente Monteverdis „Lamento della Ninfa“ anklingen - Klagegesang aus längst vergangener Zeit. Und wenn das Idyll auch bald in der Ferne verweht, so bleibt als Reminiszenz doch stets der „Lamentobass“ unser Begleiter. Jean-Luc Darbellay Neues Werk UA (2017) (* 1946) Die Mitwirkenden: Dante Montoya (Flöte) Azusa Katayama (Klarinette) Helene Schütz (Harfe) Jens Brülls (Schlagzeug) Mareike Neumann (Violine) Iris Maron (Violine) Maria Pache (Viola) Martina Styppa (Violoncello) Leitung und Oboe: Jörg-Peter Mittmann Das Detmolder ENSEMBLE HORIZONTE widmet sich seit 1990 in variabler Besetzung vom Duo bis zur 16-köpfigen Formation nicht nur aber vor allem der zeitgenössischen Musik. Wichtiger als jede stilistische Festlegung war und ist der Wunsch, durch thematische Schwerpunkte und das Eingehen auf spezifische Raumsituationen Kontexte zu stiften, die auch dem unvorbereiteten Hörer Orientierung in der Klangwelt der Moderne vermitteln. So dienen Beziehungen zwischen Tradition und Moderne sowie Wechselwirkungen zwischen Musik und anderen Kunstgattungen als Schlüssel für neue Erlebnisperspektiven, die auch einem breiten Publikum ohne Vorkenntnis - wohl aber mit Mut und Abenteuerlust - die spannende Welt zeitgenössischer Klangsprachen öffnen. Das Ensemble Horizonte arbeitet mit verschiedenen Theatern, mit namhaften Gastkünstlern und Komponisten, mit Rundfunkanstalten und vielfältigen Partnern im In- und Ausland zusammen. Zuletzt erschien bei WERGO die international vielbeachtete CD „in lieblicher bläue“ – Ensemblemusik von Hans Werner Henze (Produktion: Radio Bremen). Beim selben Label veröffentlichten die Musiker 2015 unter dem Titel „Kontrapunkte“ eine Protrait-CD mit Werken von Jörg-Peter Mittmann (Produktion: Deutschlandfunk).

Eintritt: 15.-/ 10.-
Ort: Forum Neue Musik in der Christianskirche | Klopstockplatz 2
Web: www.kirche-ottensen.de

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