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Fr, 25.04.2008, 21:30 Uhr

blurred edges - unüberhörbar: Sistermanns / Deutschmann

- Johannes S. Sistermanns: "Die Befragung des Echos"
- Rainer Deutschmann und seine Freunde (Hamburg)-

Hörstück: "Die Befragung des Echos"
Johannes S. Sistermanns 2007, 23'

"Alles fing damit an, dass ich im Frühjahr 2004 in einem ‚Straßen'-Cafe in der 57. Straße Manhattans saß. Meine Aufmerksamkeit steigerte sich auf diesen Ort, als ich bemerkte, dass ich vielmehr Aktionen und Straßenbewegungen hörte, als sich tatsächlich vor meinem Café abspielten. Es war das sich ausbreitende Echo einiger Aktionen in den Straßen, die in die 57. Straße mündeten. Und, es waren Klänge zu hören, die weit außerhalb meines Blickfeldes lagen, ganz weit hinten oder gar um die Ecke. Ich versuchte mit meinen Augen das Echo zu sehen. Ich versuchte auch, die Bewegungen, die es durch die 57. Straße machte, mit meinem Blick zu verfolgen. Dabei sah ich und erkannte unmittelbar, dass ich in einer von Wolkenkratzer gesäumten Straße saß. Die glatten, z. T. gläsernen Wolkenkratzeroberflächen reflektierten den Impuls auf schier unendliche Weise. Im anschließenden absichtlosen Spaziergang ließ ich mich nur vom Echo durch die 50er Straßen West in Manhattan rufen und folgte ihm, mit kleinen Pausen, einen ganzen Nachmittag lang.
Einige Monate später passierte mir dies gleichermaßen unbewusst in einigen Kathedralen und großen Kirchen in Metropolen.

Die Befragung des Echos ist eine radiophone Komposition aus der architektonischen Raumsituation öffentlicher wie sakraler Atmosphären und seinen Klängen, das ausschließlich aus deren Echo komponiert ist: aus dem Echo beabsichtigter wie unbeabsichtigter Klangimpulse, wie aus dem Echo alltäglicher, beiläufiger wie absichtlich gesetzter Impulse.
Aufnahmeorte Köln, Deutzer Brücke
New York, 50er Straßen, Central Park, St. Patrick Church, St. John' Cathedral von Manhattan
Essen, Gasometer Innenraum

So zufällig, wie der öffentliche Raum vorgefunden wird und nicht präpariert ist für diese Aufnahmen, sollten auch die Aufnahmen in Innenräumen, Kathedralen sein. Aber, es sollten immer wieder Wortfetzen verstanden oder hörbar sein, weil ein agierender Mensch(en) immer durchscheinen sollte.
Text Es ist kein Text verwendet.
Klangaspekte der Aufnahme, Produktion und Komposition
1 Nicht das textverständliche Wort ist wichtig, sondern der vokal-konsonantisch gefärbte Echoraum in einer Kathedrale und Stadtraum.
2 Sakraler und städtischer Raum in Nachtaufnahmen.
3 Zwei unterschiedliche Raumtiefen: Die Matrix Kathedrale als ständig hin- und hergeworfener Schall innerhalb weiter Mauern. Die Matrix Straßenraum als Raum mit drei Öffnungen, eine nach oben und eine jeweils nach vorne bzw. hinten, in dem Klangimpuls und Echo sich anders und anderes bewegen.
4 öffentlicher Raum produziert Klänge im passieren des selben, Passage aller, Impulsgeber (Menschen, Autos, Räder) bewegen sich zu den ausgelösten Echos, Sakraler Raum produziert Klänge als stationärer und mobiler ‚Selbst'-Raum, Impulsgeber (Gläubige, Orgel, Glocken) verweilen am Ort im Gegensatz zum öffentlichen Raum oder bewegen sich still.
5 Aufnahme in den 50er Straßen Manhattans auch auf Wolkenkratzer selbst machen, zudem in einem fahrenden Auto sowie durch die Straßen gehend.
6 Aufnahme in der stillen, mit wenigen Besuchern sich immer wieder füllenden und leerenden Kathedrale, vor und nach einem Gottesdienst,
7 Komponiert werden die Echos als solistischer Klang, sich auffüllender Klang, vielfach geschichteter, computergenerierter Klang sowie umgekehrter, inversierter und als raumabbildender sowie raumbildender Klang.
8 Echo ist in der griechischen Mythologie eine Bergnymphe. Der oberste Gott Zeus überredet sie, seine Gemahlin Hera mit unablässigem Reden abzulenken, damit sie ihm nicht nachspionieren kann. Aus Wut bestraft Hera Echo mit dem Verlust ihrer Sprache und lässt ihr nur die Fähigkeit, die letzte Silbe eines jeden Wortes, das sie hört, zu wiederholen (Zit. Homepage: www.kollektiveautorschaft.uni-koeln.de/goethe.html). Andere, leicht variierte Version: Echo ist eine Nymphe, die in einen Fels verwandelt wurde, mit der Fähigkeit immer nur das letzte Wort, das man zu ihr sprach, zu wiederholen (Definition lt. InfoBitte Universal-Lexikon 2003, Homepage: www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/_main/_main.htm). In Die Befragung des Echos prallen die Klänge nicht vom Felsen, sondern von den Stein- und Glasbauten ab.
9 Entsprechend der griechischen Mythologie, worin die Nymphe Echo nur noch die letzte Silbe, das letzte Wort wiederholen konnte, soll es eine langsame Rückgewinnung vom Echo hin zum letzten Vokal oder Konsonanten, vom Echo hin zur letzten Silbe, zum letzten Wort geben. Aber, erklingt dann einmal ein ganzes Wort, wird hiernach sofort das Echo abgeschnitten . . . denn während das Echo sich durch die Summe aller räumlichen Schallreflektionen definiert, ist die Negativseite des Echos gekennzeichnet durch die Wegnahme jeglichen Raumes. Hier kann das gehörte, gesprochene Wort raumlos im Hörer resonieren.
www.sistermanns.eu



Rainer Deutschmann und seine Freunde (Hamburg)

Rainer Deutschmann...
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Deshalb: Noise als Therapie Noise löscht die Erinnerung an eingefahrene Denkprozesse und macht die Synapsen frei für neue Verbindungen. Wir wollen Dir damit helfen Deutschtümelei, nazionalistischen Müll und die Angst vor allem Fremden aus Deinem Kopf zu entsorgen. Also lass DIR helfen: Komm zur Therapie!
seine "Freunde":
m. stabenow (Audible Pain / VoiceNoise / hoerbar-ev)
www.ReduktiveMusiken.de

Volker Havlik (Renoise / Willi W. / VoiceNoise / Konform /hoerbar-ev)
www.block4.com/index.php?id=7

Eintritt: 5 €
Ort: Hörbar | Brigittenstr. 5
Web: www.hoerbar-ev.de

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