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Do, 16.11.2006, 21:00 Uhr

Terry Rileys Komposition

Das Stück gilt als früher radikaler Versuch, Formalismen beim Musizieren aufzulösen und Musiker aus Ihrer Rolle als passive, "nur" ausführende Künstler unter der Leitung eines Dirigenten herauszuführen und Hierarchien beim Musizieren abzuschaffen. Das Stück ist von indischer Musik und von Praktiken der Jazz- und Rockmusik beeinflusst. Es kann als Urform heutiger Lounge-, Sample-, oder populärer elektronischer Musik gehört werden.

Wir würden uns über Ihren / Euren Besuch sehr freuen.

In C (1964) von Terry Riley

Stimme: Moxi Beidenegl, Julia Henning
Perkussion: Alexandra Gramatke
Flöte: Turo Grolimund
Violine: Peter Imig
Gitarren: Robert Engelbrecht, Ignacio Mendez
Tasten: Donghee Nam, Jan Dvorak, Jan Feddersen
und Gäste

Das Musiker stammen u. a. aus den Hamburger Ensembles Nelly-Boyd-Kreis und klub katarakt und haben sich speziell für die fortlaufende Arbeit an In C zusammengefunden. Beide Ensembles haben ein aktives Interesse an der Musik zeitgenössischer US-amerikanischer Komponisten: der Nelly-Boyd-Kreis hat Aufführungen von Werken von John Cage, Alvin Lucier, Morton Feldman usw. realisiert, klub katarakt erarbeitete u. a. Drumming von Steve Reich.
Nach einer ersten Version im November 2005 für das klub katarakt festival im Kulturforum Altona und einer bejubelten Aufführung in der Christianskirche Ottensen im April 2006 im Rahmen des Festivals blurred edges lässt sich nun eine weitere Station in der Entwicklung und Verfeinerung einer ‚Hamburger Version' dieses wegweisenden Minimal Music-Klassikers erleben.

"In their search for absolutes, a number of music critics have looked to Riley as the definitive starting point for various trends: extreme repetition, all-night trance improvisations and tape-delay systems. Pieces such as In C, A Rainbow In Curved Air, and Poppy Nogood and the Phantom Band were important in their time because they signalled two important changes in the way the worlds of music and commerce worked. One: a composer was writing pieces which had grooves and improvised around modes (just like John Coltrane, Miles Davis, Frank Zappa and half the rock bands in Psychedelia), which sounded as if psychotropics had been involved at some stage of the compositional process, which explored new technology and studio processing. Two: the albums were packaged by Columbia as rock albums, despite being on the Masterworks series, so implying that the razor wire dividing so-called classical, rock, jazz, art and commerce had been cut in a few places. Never mind the embarrasing occurence of hippie-speak on the In C sleevenotes - 'No preconceptions, you just dig it' - the sort of thing that Oliver Stone might exhume for another chapter of his Sixties revisionism. The music, as musicians and sleevenote writes love to say, spoke for itself. Essentially modest, Riley downplays all of this. After all, his contribution to the late 20th Century mix emerged out of collaborative work and improvisations with La Monte Young, Pauline Oliveros and Chet Baker. After the first flush of enthusiasm for minimalism and systems music, Riley and Young tended to be dismissed as old hippies, past their peak, while Philip Glass, Steve Reich, John Adams and Michael Nyman slid with varying degrees of compositional credibility into a new orthodoxy of avant-garde populism. But as Riley says, life goes in cycles. Suddenly, the open works of Riley and Young seem more expansive, more useful to the fractured nature of music in the Nineties than all that knitting machine repetitiveness and its mutations.” aus: David Toop, "Ocean of Sound"

Alles, was in diesem Stück erklingt, läßt sich auf einem einzigen Blatt Papier notieren, und doch ließe sich die Aufführung von In C auf mehrere Stunden, theoretisch sogar auf Tage ausdehnen. Die Partitur enthält nichts weiter als 53 Patterns – knappe Phrasen unterschiedlicher Länge. Weder die Anzahl der Mitwirkenden noch deren Instrumente sind festgelegt. Entscheidend ist nun aber die Spielregel: Die Musiker setzen sukzessive ein, um die 53 Patterns der Reihe nach zu durchlaufen. Dabei soll jedes Pattern beliebig oft wiederholt werden, bevor der einzelne Spieler zum nächsten Pattern weiterschreitet. Ein schneller, konstanter Puls auf dem Ton c sorgt – einem Metronom ähnlich – für Zusammenhalt der Gruppe. Das Stück ist zu Ende, wenn der letzte Spieler das letzte Pattern erreicht hat. Jeder Musiker realisiert also seine eigene Version von In C und braucht sich theoretisch nicht darum zu kümmern, wo seine Mitspieler gerade stehen. In der Praxis zeigt sich jedoch, daß die Entscheidung darüber, wann nun der Zeitpunkt gekommen sei, das Pattern zu wechseln, gruppendynamischen Prozessen unterworfen ist, die dafür sorgen, daß das Ensemble – vergleichbar vielleicht einer Schar Zugvögel oder einer wandernden Herde – zwar in wechselnder Konstellation, aber dennoch gemeinsam weiterzieht. So entsteht beim Hören der Eindruck eines Klangteppichs, der in langsamer Veränderung unterschiedliche Gestalten annimmt.

Eintritt: 9,- Euro
Ort: Haus73, Schulterblatt 73, 20359 Hamburg
Web: www.dreiundsiebzig.de

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