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Do, 28.04.2016, 20:00 Uhr

Der letzte Mann x Les Trucs

Ein Ausnahmewerk des Kinos der Weimarer Republik trifft auf futuristische Pop-Performance. Der Film erzählt von einem in die Jahre gekommenen Hotelportier, gespielt vom legendären Emil Jannings. Von seinem Chef wird er dazu degradiert, sich fortan nur noch um die Herrentoilette des Hauses zu kümmern. Murnaus Film gilt als Meisterwerk des Expressionismus, als eine Fabel darüber, dass das Leben nicht immer nur bergauf führen kann. “Heute bist Du der Erste, geachtet von Allen, ein Minister, ein General, vielleicht sogar ein Fürst – Weißt Du, was Du morgen bist?!”, heißt es im Vorspann. Fernab von verstaubten, musikalischen Plattitüden begleiten Les Trucs mit Klavier, Stimme und Synthesizerelektronik Emil Jannings auf seinem Weg vom geachteten Hotelportier zum Toilettenmann. Eine erstmalig vom Stativ vollkommen befreite, „entfesselte“ Kamera und die expressionistischen Bilder murnauscher Gestaltungskraft werden unter Zuhilfenahme von Geräusch, Gerät, Gesang und Nebel unterstützt, konterkariert und kommentiert. Ein seltsamer Spass.

Der letzte Mann:
Berlin, Anfangs des 20. Jahrhunderts. Der alte Portier des Hotels "Atlantic" verdankt seiner prächtigen Uniform Selbstwertgefühl und Anerkennung: Vor der Drehtür des Hotels ist er stolzer Diener, der die Gäste begrüßt, zu Hause im Hinterhofmilieu ein viel bewunderter Mann. Doch eines Tages beobachtet der Geschäftsführer, wie schwer dem alten Portier das Hantieren mit den Koffern fällt: Er verbannt ihn daraufhin in den Keller, degradiert ihn zum Toilettenmann. In seinem Milieu wagt er nicht, den Abstieg einzugestehen. Als seine Tochter heiratet, stiehlt er die Uniform, um wenigstens hier den Schein zu wahren. Doch der Schwindel fliegt auf, er wird von seinen Hausbewohnern verlacht und gedemütigt, seine Verwandten wenden sich von ihm ab. Verzweifelt zieht sich der alte Mann in den Waschraum der Hoteltoilette zurück.
F. W. Murnau hat an diese Handlung, getrennt durch den einzigen Zwischentitel des Films, ein ihm aufgezwungenes, bitter-ironisches Happy End gesetzt: Auf der Toilette stirbt ein reicher Hotelgast in den Armen des Alten und vermacht ihm sein ganzes Vermögen.
So wird aus dem "letzten Mann" ein umworbener Hotelgast.

Les Trucs: Seit 2007 arbeiten Charlotte Simon und Zink Tonsur (Tobias Piel) gemeinsam unter dem Namen Les Trucs. Sie veröffentlichten mehrere Tonträger auf internationalen Labels, Konzertourneen mit über 400 Konzerten führten sie durch Europa, Israel und Japan.
An der Schnittstelle von Klang, Performance und Installation tätig, sind sie Teil von Ausstellungen oder Theaterproduktionen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Lars-Ole Walburg am Schauspiel Hannover und am Schauspielhaus Zürich oder zuletzt mit Schorsch Kamerun am Schauspiel Frankfurt.

Mit freundlicher Unterstützung vom Verband für aktuelle Musik Hamburg

Eintritt: 8€
Ort: Lichtmess-Kino
Web: lichtmess-kino.de

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